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Der Dom der Dithmarscher

Der weithin sichtbare Dom zu Meldorf ist eines der wichtigsten frühgotischen Bauwerke der Westküste.

  • Westwerk des Meldorfer Doms
  • Eingang des Doms
  • Hauptschiff des Meldorfer Doms
  • der Lettner
  • mittelalterlichen Fresken in den Kupplen

Der Dom - eine Begegnung in Worten

Der Westwind zerrt nicht nur der Braut an Kleidern und Haaren, wenn sie nach dem Ja-Wort aus dem Dom tritt. Auch der neugierige Besucher wird noch einmal kräftig durchgepustet, bevor sich die große, schwere Tür hinter ihm schließt und den Wind aussperrt. Diese erste Begegnung mit der Stille ist eine Einstimmung auf das, was im Inneren des Doms wartet.

Die zweite Tür öffnet sich. Der Besucher steht unter der Orgelempore und die Augen schweifen in den feierlichen Innenraum. Das warme, rötliche Schimmern des Backsteins, die schlichte Ausschmückung, die golden glänzenden Kronleuchter - und dann dieser warme Geruch nach altem Stein, altem Holz, ein wenig nach Staub. So umfängt der Dom seine Besucher, heißt sie willkommen in seiner farbgefüllen Ruhe.

Die Augen schweifen unwillkürlich zur Decke. Aber es ist nicht der typische Sog der Gotik, der in den großen Kathedralen der Spätgotik den kleinen Menschen erhebt, ihn durch seine aufwärts gerichtete Kraft in geistige Höhen reißt. Der Meldorfer Dom ist ein ruhiger Ort, bodenständig, feierlich, behütend. Und hier, bei seiner Erkundungsreise, trifft das Auge unweigerlich auf die Fresken im Gewölbe der Vierung. Eingerahmt von stilisierten Lilien auf den verbindenden Spitzbögen über den kräftigen Säulen schwebt über den Köpfen der Besucher der wahre Schatz des Doms: die mittelalterlichen Malereien in den Gewölbekuppeln.

Wer sich die Zeit nimmt um sie mit Muße und Phantasie zu betrachten, dem fällt es leicht, sich in die Zeit ihrer Entstehung zu versetzen. Die dargestellten Menschen tragen die damals üblichen Gewänder und ihre einfachen, ausdrucksvollen Gesten und Gesichter erzählen uns über die Jahrhunderte hinweg das Weltbild von damals. Es geht um die Ur- und Schöpfungsgeschichte und um wichtige Elemente aus dem neuen Testament und der Heilsgeschichte. Der Backstein des Doms selbst und die Bilder im Gewölbe finden sich zu einer wunderschönen, harmonischen Einheit, die jeden Betrachter beglückt. Ob das im Mittelalter oder heute ist.

Kunstgeschichtlich halten auch andere Stilrichtungen (etwa die Renaissance mit Kanzel, Chorgitter) und Neuzeit in den Dom Einzug. Johann Peper und Thies Witt , Schnitz-Künstler aus dem nicht weit entfernten Rendsburg, gestalten 1603 das Chorgitter und auch die Kanzel gehört in diese Zeit. Mit ihrer dunklen Farbe gliedern sie den Raum und lenken die Aufmerksamkeit der Gemeinde damals wie heute. Seit Martin Luther steht die Predigt im Mittelpunkt des Gottesdienstes und die fast wuchtige Gestalt der Kanzel verdeutlicht diese Wandlung aufs Trefflichste. Unterdessen stellt das Chorgitter eine Trennung dar. Durch diese Absperrung ist die große spirituelle Bedeutung des Altars noch heute spürbar: Hier treten die Gläubigen direkt mit ihrem Gott in Verbindung.

Neugierig und ein wenig schüchtern nähern Besucher sich der geschlossen Chorschranke und lugen durch das Gitter auf den Passionsaltar mit seinen farbenprächtigen und vergoldeten Figuren. Er entstand noch vor der Reformationszeit ca. 1520. Aber auch wenn die Türflügel des Chorgitters geöffnet sind, bleibt dieser Bereich etwas Besonderes, ein Raum, der eben noch etwas heiliger ist als der Rest der Kirche. Dazu trägt sicherlich auch das Fenster hinter dem Altar bei, dessen farbiges Licht dem Altarraum seine inspirierende Atmosphäre verleiht. Anfang der 1960er Jahre gestaltete der Maler und Bildhauer Siegfried Assmann aus Groß-Hansdorf bei Hamburg dieses und weitere Fenster des Doms.

Die spirituelle Bedeutung des Raumes hinter der Chorschranke wird auch durch die Taufe unterstrichen, die hier aufgestellt ist. Sie ist ein regelrechter Kessel, aus Bronze gegossen wie eine Glocke aus einem Stück, schlicht und ohne große Verzierungen, getragen von drei schlanken Figuren. Dieses Taufbecken stammt aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, etwa aus der Zeit, in der der Dom erbaut wurde. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie zumindest die kleinen Kinder ganz und gar in das Taufwasser gehoben werden, wie es zu dieser Zeit durchaus üblich ist. Vergessen wir nicht: Der Meldorfer Dom ist als Taufkirche gegründet worden.

Bevor Sie den Dom wieder durch den Haupteingang verlassen, werden Sie die Orgel ins Auge fassen - bei ihrer Größe einfach unumgänglich. 1977 wird sie von der unter Kennern bekannten Orgelbau-Werkstatt Marcussen in Apenrade aufgestellt. Ihr schnörkelloser Prospekt passt sich unaufdringlich in das schlichte Innere des Doms ein. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie musikalisch die Königin der Instrumente - und des Doms -  ist!

Der Dom und die Musik - mehr dazu finden Sie hier.

Eine letzte Funktion soll an dieser Stelle nicht vergessen werden: Der Dom war auch ein Seezeichen. Meldorf liegt auf einem weit vorspringenden Geestrücken und war vor einigen hundert Jahren eine Küstenstadt! Reste eines alten Deiches konnten entlang der Marnerstraße gefunden werden und wo die Nordsee einst an der Küste genagt hat, ist noch ein steil abfallender Hang zu sehen. Die Seefahrt findet in dieser Zeit "auf Sicht" satt, Navigationsgeräte sind noch nicht entwickelt worden. Und so ist der Dom eine wichtige Landmarke zur Orientierung. Dabei ist seine Gestalt bis zum Turmbrand 1866 sehr viel gedrungener und der Turm erreichte bei weitem nicht die stolze Höhe, mit der er heute so weit sichtbar über das flache Land hinweg die Reisenden grüßt.

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